In dieser Ausgabe:
>> Villa-Romana-Preisträger 2009 / Joseph Beuys und seine Schüler / Collier Schorr in der Villa Romana / Deutsche Bank fördert Assoziation für Neuro-Asthetik / Tatsuo Miyajima
>> Kunstauktion für Deutsche Bank Africa Foundation / Kunstraum Deutsche Bank Salzburg / Joe Lewis: NYFA Fellow / Pyramid Awards London

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Zahlen und Zen
Tatsuo Miyajimas leuchtende Displays bei den Ruhrfestspielen Recklinghausen



Tatsuo Miyajima, K.C.C. Y/R-7, 1999,
Sammlung Deutsche Bank

Die Ewigkeit zählt von eins bis neun: Tatsuo Miyajimas Leuchtdioden-Displays mit den unablässig wechselnden und doch immer gleichen neun Ziffern haben den Japaner in der Kunstwelt bekannt gemacht. Die blinkenden und leuchtenden Zahlenkolonnen sind auch Teil der Sammlung Deutsche Bank und wurden etwa im Sanno Park Tower der Deutschen Bank in Tokio gezeigt. Jetzt steht Lichtkünstler im Mittelpunkt der Kunstausstellung der Ruhrfestspiele Recklinghausen, die bis zum 20. Juli in der örtlichen Kunsthalle zu sehen ist. Drei raumgreifende Arbeiten zeigt er in der Institution.



Tatsuo Miyajima, Counter Train, 2008,
© Foto: Ferdinand Ullrich, Recklinghausen



Die leuchtenden Zählwerke, der Wandel der Zahlen, stehen bei Miyajima für das Verrinnen von Zeit und den ewigen Kreislauf von Leben und Tod. In Recklinghausen führt der Künstler darüber hinaus sehr prägnant die politische Komponente seiner Kunst vor: Im Erdgeschoss der Kunsthalle lässt Miyajima in seiner Arbeit Counter Train (2008) eine Modelleisenbahn mit Waggons der Reichsbahn aus den Jahren 1932 bis 1945 fahren. Die Wagen sind mit blauen LED-Ziffern gefüllt, die hier an die Millionen jüdischer Menschen erinnern, die im Holocaust in die Vernichtungslager transportiert und ermordet wurden. Auf den Atombombenabwurf über Hiroshima verweist dagegen die Fotoserie Counter Skin (2008), für die der Künstler die Haut von Atombombenopfern bemalt hat. Counter Coal (2008) schließlich zeigt rot glühende LED-Ziffern in einem Haufen Kohle – ein Kunstwerk, das zahlreiche Assoziationen ermöglicht: von den Vernichtungszügen der Nationalsozialisten bis zu den Debatten über die Begrenztheit fossiler Brennstoffe. In der Kunsthalle Recklinghausen wirken die gezeigten Werke wie eine prägnante Verbildlichung von Miyajimas drei künstlerischen Leitmotiven: Alles verändert sich ständig, alles ist miteinander verbunden, alles besteht ewig.



Tatsuo Miyajima, Counter Train, 2008,
© Foto: Ferdinand Ullrich, Recklinghausen


Tatsuo Miyajima
Denken darüber, was das Leben, das menschliche Wesen und der Weltfrieden ist

4. Mai - 20. Juli 2008
Kunsthalle Recklinghausen





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