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Die Installation Das Zimmer wird allerdings genauso so genutzt wie von der Künstlerin beabsichtigt. Dutzende von Besuchern sitzen auf ihrer gigantischen Sofagruppe, um ihre Filme zu betrachten oder sich einfach nur zu unterhalten. Auch unter den hängenden Ästen und Plastikteilen der Installation Apple Tree Innocent On Diamond Hill (Apfelbaum unschuldig auf dem Diamantenhügel) (2003) nahm das Publikum auf dem Boden Platz. In Anbetracht der gemischten Reaktionen auf Gina’s mobile erscheint es allerdings fraglich, wie viele Besucher Closet Circuit (2000) ausprobieren möchten. Mit dieser Arbeit lädt Rist dazu ein, Regionen des Körpers zu betrachten, die dem eigenen Blick sonst verborgen bleiben: In einer Toilette hat sie eine Kamera installiert, die ihre Bilder direkt auf einen Bildschirm überträgt.



Pipilotti Rist, Apfelbaum unschuldig auf dem Diamantenhügel
(Apple Tree Innocent On Diamond Hill), 2003,
Installationsansicht Hara Museum of Contemporary Art, Tokio
Foto Hirotaka Yonekura, Courtesy Hara Museum of Contemporary Art

Aber warum hat sie für ihre erste Ausstellung in Japan den Titel Karakara gewählt, ein lautmalerisches Wort, das einerseits fröhliches, grelles Gelächter, vor allem aber auch Durst bedeutet? "Mir fiel dieses Wort gleich bei meinem ersten Japanbesuch auf. Ich mag seine Dualität, es geht um physischen Durst aber auch um den Durst der Seele und des Geistes. Das Museum ist ein Platz, an dem man diesen Durst, aber auch seine geistigen Bedürfnisse stillen und der Hektik des Alltags entkommen kann", erklärt die Künstlerin. "Für den Besucher ist es ein Platz zum Nachdenken oder ein Ort, um mit anderen Besuchern ins Gespräch zu kommen. Es ist, als wäre man von einer Blase umgeben, in der alle gemeinsam etwas betrachten und darüber reden oder sich einfach nur gegenseitig anschauen. Es ist als würden alle in dieser Blase gemeinsam ihren Durst stillen." Die Frage nach dem Titel musste sie mindestens schon fünfzig Mal beantworten, sagt die Künstlerin lachend, und das "auf fünfzig verschiedene Weisen".



Pipilotti Rist, Selbstlos im Lavabad
(Selfless In The Bath Of Lava), 1994,
Audio-Video-Installation (Video Still)
Courtesy the artist and Hauser & Wirth Zürich London


Pipilotti Rist, I Couldn't Agree With You More
1999, Audio-Video-Installation (Video Still)
Courtesy of the artist and Hauser & Wirth Zürich London



Obwohl sie schon an diversen Gruppenausstellungen in Japan teilgenommen hat, dauerte es erstaunlich lange bis es hier zu ihrer ersten Soloschau kam. Doch Rist räumt ein, dass ihr das Warten auch dazu diente, ihren ersten Spielfilm fertig zu stellen, der bislang den provisorischen Titel Pepperminta trägt und sich mit einem immer wiederkehrenden Thema in ihrem Werk beschäftigt. "In dem Film geht es um unnötige Ängste. Wir brauchen Angst natürlich zum Überleben. Doch viele unserer Ängste, wie die vorm ausgelacht oder zurückgewiesen werden, sind unnötig. Um etwas Großes zu tun, braucht man Ideen. Meistens haben wir aber nicht genug Zeit, um uns neue Rituale auszudenken oder zu erkennen, was in bestimmten Situationen eigentlich möglich wäre. Beobachten Sie einmal, wie Kinder Räume erobern", führt sie aus und deutet dabei unter den Tisch. "Sie klettern einfach unter einen Tisch und erfinden dabei ein neues Spiel. So etwas braucht Zeit und ist das ganze Gegenteil von Selbstzensur. Die Protagonistin von Pepperminta versucht, die Welt – und sich selbst – von unnötigen Ängsten zu befreien. Der Film ist von Vera Chytilovas Tausendschönchen beeinflusst. Mit dem Titel kämpfe ich allerdings noch. Mir fiel anfangs gar nicht auf, wie sehr er meinem Namen ähnelt. Dabei ist der Film in keiner Weise autobiografisch. Ich bin nicht so wie dessen Heldin. Mir geht es um eine Art Flucht nach vorn, darum, nicht an einem Ort stecken zu bleiben und ständig zu fragen, was denn so falsch, falsch, falsch ist. Man sollte stattdessen seine Energie dazu nutzen, um neue Wege einzuschlagen."



Die Heldin ihres Films ist, wie sie sagt, dabei "ihren Bewegungsraum im Alltagsleben zu erweitern". So wie die Künstlerin durch ihre Arbeiten in Karakara versucht, den Spielraum der Ausstellungsbesucher zu vergrößerna. Ihren eigenen Spielraum hat Pipilotti Rist jedenfalls um die halbe Welt erweitert.


Pipilotti Rist: Karakara
Hara Museum, Tokio
bis 11. Februar 2008

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