In dieser Ausgabe:
>> Interview: Jeff Wall
>> Pipilotti Rist
>> Richard Prince - Spiritual America
>> Elmgreen & Dragset

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Elmgreen & Dragset, Temporarily Placed, 2002
Ausstellungsansicht Hamburger Bahnhof,
Preis der Nationalgalerie für Junge Kunst, 2002
Courtesy Galerie Klosterfelde
Foto Jens Ziehe

Dass sie phasenweise doch immer wieder als solche vom Betrieb identifiziert wurden, lag sicherlich an den Powerless Structures, eine über mehrere Jahre laufende Serie von hintersinnigen Skulpturen, Performances und Raumeingriffen, mit der sie in der zweiten Hälfte der Neunziger Jahre begannen. Es waren die in verschiedenen Museen und Galerien installierten Structures, die ihren Ruhm als institutionskritische Künstler mit formal glänzenden Lösungen begründeten. Sie boten die Möglichkeit, die Gesetze des Kunstbetriebs und seiner Räume mit ihrer eigenen Ideologie und dem eigenen "Look" zu entwaffnen und zu schlagen. Dass dies auf eine sehr unterhaltende und publikumswirksame Weise geschah und auf jegliche missgelaunte Anklage verzichtet wurde – das war neu. Nicht zuletzt liebte die Theoriefraktion diese Serie. Die Arbeiten, wie etwa ein Sprungbrett im Kopenhagener Louisiana-Museum oder die konvex verzogenen Decken und Böden im Frankfurter Portikus schienen bestens zu institutionskritischen, kanonbildenden Texten zu passen, wie etwa Brian O'Dohertys Inside the White Cube.



Elmgreen & Dragset, Spelling U-T-O-P-I-A, 2003
Installation Utopia Station, 50. Venedig Biennale, 2003
Courtesy Galleria Massimo De Carlo, Milan

Irgendwann habe man mit der Serie einfach aufgehört, als klar wurde, dass sie zu einer Art Label geworden war. "Wir wurden zu einfach vorhersehbar" sagt Elmgreen, "es machte einfach keinen Spaß mehr, denn wir verstehen unsere Arbeit mit den Museen und Galerien als eine Art Katz und Maus-Spiel: Wenn man Gefahr läuft, erwischt zu werden, sollte man besser verschwinden und etwas anderes machen."


Elmgreen & Dragset, Prada Marfa, 2005
Installationsansicht, nahe Valentine, Texas
Courtesy Art Production Fund, New York;
Ballroom Marfa, Marfa; the artists


Mit dieser Trickster-Idee der Kunstproduktion kann man auch erklären, warum im Werk von Elmgreen und Dragset keine Vorliebe für eine spezielle Technik oder Themen erkennbar ist. Wenn die beiden überhaupt ein Markenzeichen haben, dann ist es das Nicht-Festgelegte, die Wandelbarkeit des Lösungsansatzes, um eine bestimmte Situation für den Ausstellungsbesucher zu kreieren. Es ist die Fähigkeit, in verschiedenen Sprachen zu sprechen, um eine Geschichte zu erzählen.



Elmgreen & Dragset, Just a Single Wrong Move, 2004
Installationsansicht Tate Modern, London
Courtesy the artists
Foto Tate Modern


Dies musste auch die Tate Modern erfahren, als sie die beiden Künstler vor einigen Jahren einlud, eine Einzelausstellung mit großformatigen Installationen einzurichten. Geliefert haben Elmgreen & Dragset schließlich einen kleinen, computergesteuerten, ziemlich lebensecht wirkenden Mechanik-Spatz, der im Zwischenraum eines Doppelfensters mit dem Tode zu kämpfen schien. Die Reaktionen der Museumsbesucher waren gespalten, wütende Eltern mit weinenden Kindern beschwerten sich beim Ausstellungsmanagement – für die Künstler war ein weiteres Mal bewiesen, dass auch in einer kleinen Arbeit eine Menge Bedeutung stecken kann.




Elmgreen & Dragset,
Zwischen anderen Ereignissen / Between Other Events, 2000, ortsspezifisches Projekt
Galerie für Zeitgenössische Kunst,Leipzig
Foto: PUNNTUM / H.-Ch. Schink; Carla Åhlander
Courtesy Klosterfelde, Berlin; Galleri Nicolai Wallner, Copenhagen



Es ist die immer neue und sehr bewusste Auseinandersetzung mit dem Kontext, die ihren Aktionen das Siegel der Zeitgenossenschaft verleiht. Das kann ein Nicht-Ort sein, wie die texanische Wüste, wo die beiden vor zwei Jahren die täuschend echte Replik einer Prada-Filiale errichten ließen, nur um sie dort sich selbst zu überlassen. Es kann aber auch ein historisch besetzter Ort sein, wie etwa der Berliner Tiergarten, wo das von Elmgreen und Dragset realisierte Mahnmal für die verfolgten Homosexuellen der NS-Zeit die Form und das Material des nahe gelegenen Holocaust-Mahnmals von Peter Eisenman zitiert.

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