Grasfabrik im Deutsche Guggenheim Phoebe Washburns
Regulated Fool's Milk Meadow
Sie lässt im Deutsche
Guggenheim das Gras wachsen. Die junge Amerikanerin Phoebe Washburn hat
die Berliner Ausstellungshalle in ein Environment zwischen Fabrik und
Gewächshaus verwandelt. Mit ihren gigantischen Installationen aus
recycelten Materialien ist die Künstlerin zum neuen Star der New Yorker
Kunstszene aufgestiegen.
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Phoebe Washburn, Regulated Fool's
Milk Meadow, 2007, Installationsansicht
Foto Mathias Schormann ©
Phoebe Washburn, Deutsche Guggenheim
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Holzbretter, neongelbe Golfbälle, Aquarien, Stellwände
vergangener Ausstellungen, Transportbänder - eine riesige, rampenartige
Konstruktion voll seltsamer Details okkupiert das Deutsche
Guggenheim. Regulated
Fool's Milk Meadow - diesen kryptisch-poetischen Titel hat Phoebe
Washburn ihrer organisch wuchernden Auftragsarbeit für die Berliner
Ausstellungshalle gegeben. Fool's Milk - Narrenmilch - spielt dabei
mit dem Begriff fool's gold - Katzengold.
Ein wertloses Mineral, das oft mit dem begehrten Metall verwechselt wird. Milk
assoziiert die junge New Yorkerin mit Mutterschaft: "Diese komische Fabrik
erscheint mir wie ein riesiges Ding, das Grasstücke zur Welt bringt.
Außerdem ist die Fabrik "närrisch", weil sie ihr eigenes Produkt
konsumiert."
 Phoebe
Washburn, Regulated Fool's Milk Meadow, 2007, Installationsansicht
Foto Mathias Schormann ©
Phoebe Washburn, Deutsche Guggenheim
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Tatsächlich hat die 1973 geborene US-Künstlerin im Deutsche
Guggenheim eine in sich geschlossene Produktionsanlage installiert. In
einem kleinen Treibhaus heran gezüchtete Grassoden werden auf einer
Fließbandschleife durch die geschlossene Holzkonstruktion transportiert,
die fast den gesamten Ausstellungsraum einnimmt. Das Gras wird dabei mit
Licht und Wasser versorgt. Das Geschehen in dieser Pflanzenfabrik können
die Besucher durch zahlreiche Fenster verfolgen. Die Grassoden finden
ihren Platz schließlich auf dem Dach des Gebäudes, wo sie langsam
verwelken - ein absurder Kreislauf von Werden und Vergehen. Regulated
Fool's Milk Meadow präsentiert sich als raumgreifende Objektcollage,
deren Monumentalität die Künstlerin allerdings immer wieder mit
humorvollen und ironischen Details bricht.
 Phoebe
Washburn, Regulated Fool's Milk Meadow, 2007, Installationsansicht
Foto Mathias Schormann ©
Phoebe Washburn, Deutsche Guggenheim
Washburns
wie improvisiert wirkende Installation erinnert an die Architekturen in
Barackenstädten, wo in aus der Not geborenen kreativen Prozessen Abfälle
als Werkstoffe genutzt werden. Die Künstlerin arbeitet hierbei bevorzugt
mit ausrangierten Materialien. Bei ihren Streifzügen zu Containern und
Laderampen sammelt sie Holzlatten, Pappen, Bündel von alten Zeitungen oder
Farbreste. All das wird in ihrem Atelier in Brooklyn gesammelt, sortiert
und wiederverwertet.
 Phoebe
Washburn, Regulated Fool's Milk Meadow, 2007, Installationsansicht
Foto Mathias Schormann ©
Phoebe Washburn, Deutsche Guggenheim
Diese
Vorgehensweise könnte als politisches oder ökologisches Statement
verstanden werden, als Kommentar auf die Überflussgesellschaft. Aber
Washburn geht vor allem darum, aus diesen alltäglichen, kaum beachteten
Materialien etwas neue, vitale und sehr konzeptionelle Kunstwerke zu
schaffen. "Ich bin keine "grüne" sondern eine gierige Künstlerin.", sagt
sie, "Und ich befriedige diese Gier, indem ich meine Materialien sammle.
Es ist sehr befreiend, nur mit dem auszukommen, was ich finde. Es ist
interessanter auf diese Weise zu arbeiten. Ich mag es, dass die
Materialien ihre eigene Geschichte schon mitbringen."
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