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Joseph Beuys im Guggenheim Museum, New York, 1979-80
mit Strassenbahnhaltestelle (1976),
Nationalgalerie Hamburger Bahnhof, Sammlung Marx, and Unschlitt/Tallow (1977),
Foto: Mary Donlon,
©Solomon R. Guggenheim Foundation, New York
©2006 Artists Rights Society (ARS), New York / VG Bild-Kunst, Bonn


Trotz der gemeinsamen Vorliebe für ähnliche Materialien und konzeptuelle Vorgehensweisen zeigt sich aber auch ein grundsätzlicher Unterschied in der Haltung beider Künstler. Während der Ästhet Barney in seinem Werk einen in sich geschlossenen, selbstreferentiellen Rahmen für seine Kunst schafft, wendet sich der Aufklärer Beuys mit seinen komplexen Arbeiten direkt ans Publikum. Radikal bis zur Selbstaufgabe fordert er dabei mit seinem "erweiterten Kunstbegrif" und seiner Konzeption der "sozialen Plastik" ein kreatives Mitgestalten an der Gesellschaft und in der Politik. So etwa bei seiner Honigpumpe am Arbeitsplatz, die exklusiv in Venedig gezeigt wird.


Joseph Beuys
Honigpumpe am Arbeitsplatz, 1977
Installationsansicht Peggy Guggenheim Collection
Louisiana Museum of Modern Art, Humlebaek, Denmark
Foto: Edoardo Osculati
©Joseph Beuys by SIAE 2007



Gleich beim Betreten der Ausstellung stößt der Besucher auf die rechts neben der Eingangshalle platzierte Arbeit. Aus langen Plastikschläuchen, einem Elektromotor, Bootsmaschinen, einer Kupferwalze und Stahlbehältern zusammengesetzt, ist die Skulptur das Relikt der von Beuys für die Documenta VI in Kassel 1977 realisierten Installation. Damals wurde während der gesamten Laufzeit der Ausstellung Honig durch das Schlauchsystem gepumpt, das sich vom Erdgeschoß des Fridericianums über das Treppenhaus in die oberen Räume des Gebäudes zog, wo Diskussionen, Seminare und Demonstrationen abgehalten und Filme gezeigt wurden. Im Zusammenspiel mit der Honigpumpe sollten die Inhalte der Veranstaltungen die Prinzipien der von Beuys gegründeten Free International University (FIU) veranschaulichen. Erklärtes Ziel der FIU war es, die Gesellschaft mit Fragen zu einer sozialen Zukunft zu verändern.



Joseph Beuys
Untitled, 1983
Vitrine mit den Arbeiten Fett Filter (1964) und Schlitten (1969)
Foto: David Heald,
©Solomon R. Guggenheim Foundation, New York
©2006 Artists Rights Society (ARS), New York / VG Bild-Kunst, Bonn


Bezeichnenderweise werden in einem der hinteren Säle auf zwei miteinander verbundenen und in entgegengesetzte Richtungen weisenden Video-Monitoren zwei weitere zentrale Arbeiten der Künstler präsentiert: Die Dokumentation der von Beuys 1968 realisierten Performance Antwerp Eurasienstab und Barneys Field Dressing von 1989. Die Untersuchung der Bezüge zwischen den Live-Performances und den daraus resultierenden Spuren steht hier im Mittelpunkt. Passend dazu dokumentieren die Vitrinen in den Nebenräumen das Faible beider Künstler, die Requisiten ihrer Aktionen in Schaukästen zu dokumentieren. Doch inhaltlich bilden Eurasienstab und Field Dressing zwei Antipoden: Während Beuys’ Eurasien-Konzept auf die antike kulturelle Unterscheidung zwischen Ost und West und damit auch auf die Teilung Deutschlands anspielt, geht Barneys Video den bizarren Möglichkeiten der Verformung auf den Grund.



Matthew Barney
Field Dressing, Video still, 1989
Foto courtesy Matthew Barney
©2006 Matthew Barner


Am Ende bleibt es bei All in the Present Must be Transformed: Matthew Barney and Joseph Beuys dem Betrachter allein überlassen, wie weit er die aufgedeckten Gemeinsamkeiten weiterführen möchte. Mit den beiden Monitoren, auf denen Barney und Beuys quasi Rücken an Rücken zueinander stehen, erschafft die Ausstellung jedenfalls ein passendes Sinnbild für die Ähnlichkeiten im Werk zweier Künstler, die unterschiedlicher nicht sein könnten.

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