Links: Star (for Patti Smith) 1972/74, Rechts:
Morada, 1976 Foto: Achim Drucks
Anfang
der Siebziger erwirbt der Künstler ein Haus auf der griechischen Insel Hydra,
wo er sich auch ein Atelier einrichtet. Die Begegnung mit dem Licht und
der mediterranen Landschaft prägt seine weiteren Arbeiten. Mardens Palette
hellt sich auf, er verwendet jetzt auch strahlende Gelb- und Orangetöne,
seine Leinwände werden größer. Der in dieser Zeit entstandenen Grove
Group ist im Hamburger Bahnhof ein eigenes Kabinett gewidmet. Die
Farben dieser Serie sind von den Blautönen des Meeres und den Olivenbäumen
auf Hydra inspiriert: das silbrige Grün-Grau der Blätter trifft auf das
matte Schwarz der Früchte.
 Brice
Marden Grove Group II 1972-73
Private Collection, fractional
gift to the San Francisco Museum of Modern Art ©
2006 Brice Marden/Artists Rights Society (ARS), New York
Doch
schließlich sind für Brice Marden die Möglichkeiten der monochromen
Leinwände ausgereizt. Die Begegnung mit ostasiatischer Schriftkunst führt
ihn zu einem neuen, gestischen Malstil, der auch vom abstrakten
Expressionismus und von Jackson
Pollocks Action-Paintings beeinflusst ist. Wirken seine
Liniengeflechte anfangs noch recht spröde, gelingt ihm mit der berühmten Cold
Mountain Serie ein Meisterwerk. Inspiriert hat ihn dazu eine
zweisprachige Ausgabe von Han-Shans
Gedichten vom Kalten Berg. Der Dichter des achten Jahrhunderts, der
in seiner vom Zen-Buddhismus geprägten Lyrik das Leben als Einsiedler
beschreibt, hatte schon Beat-Poeten wie Allen
Ginsberg beeindruckt.
|
Vor einem verwischten weißen Hintergrund transformiert
Marden die chinesischen Schriftzeichen zu sich überlagernden dunklen
Linien. Teilweise verschwinden sie hinter der dünnen Übermalung wie in
einem Nebel, manchmal scheint ihre Kraft die Grenzen der Leinwand fast zu
sprengen. Die nervöse Energie von Mardens Labyrinthen kulminiert in dem
monumentalen Gemälde The Muses (1991-93). Hier verbindet der
Künstler asiatische Kalligrafie mit einem Thema aus der griechischen
Mythologie. Die Musen – die neun tanzenden Töchter des Zeus – evoziert der
Künstler durch ein dynamisches Gewirr sich durchdringender Bahnen und
Schlingen in permanenter Bewegung.
 Brice
Marden Study for the Muses (Hydra Version) 83
x 135" (210.8 x 342.9 cm) Private
Collection, New York © 2006
Brice Marden/Artists Rights Society (ARS), New York
Im
letzten Raum der Ausstellung erwartet die Besucher der Höhepunkt der
Retrospektive – die beiden Versionen von The Propitious Garden of
Plane Image. Sechs Jahre, bis kurz vor der Eröffnung in New York, hat
er an den über sieben Meter langen Bildern gearbeitet. In diesem
"glücksverheißenden Garten des flachen Bildes" sind die Linien zur Ruhe
gekommen. In sanften Schwüngen schweben sie vor intensiv leuchtenden
Hintergründen. Die friesartigen Gemälde verweisen auf Mardens Glückszahl,
die Sechs. Sie bestehen aus jeweils sechs Tafeln mit einer Höhe von sechs
Fuß in den sechs Spektralfarben: Rot, Orange, Gelb, Grün, Blau und
Violett. Glaubt man der Numerologie, steht die Sechs für ein ausgeprägtes
Bedürfnis nach Harmonie und Schönheit. Plane Image ist,
wie der Künstler sagt, auch ein Synonym für ihn selbst. Es scheint, als
sei er in diesem Garten der Malerei erneut an einen Endpunkt gelangt. Oder
vielmehr einem Wendepunkt. Betrachtet man seine in Berlin versammelten
Arbeiten, traut man Brice Marden auch mit seinen 69 Jahren ohne weiteres
zu, sein Werk noch einmal zu revolutionieren.
 Brice
Marden: The Propitious Garden of Plane Image, Second Version (Photographed
unfinished in May 2006) 2000-2006
Collection the artist. Courtesy
Matthew Marks Gallery, New York ©
2006 Brice Marden/Artists Rights Society (ARS), New York
[1]
[2]
|