Ihre Arbeiten scheinen nie vollendet zu sein, sie
wuchern wie Organismen oder auch wie manche Großstädte. Sind solche Bezüge
wichtig für Ihre Arbeiten?
Ja. Diese Bezüge wie Organismen
und Städte – alles was sich entwickelt, wuchert, schäumt, was sich bewegt,
organisiert und systematisiert – habe ich immer im Hinterkopf. Richtig gut
gefällt es mir wenn man fühlt, dass die Installation offen für alle
möglichen Lösungen ist. Im besten Fall bekommen die Besucher ein Gespür
dafür, dass es eine Geschichte dazu gibt, wie dieses ganze Zeug in die
Galerie gekommen ist. Und dann fangen sie an darüber nachzudenken, was
nach der Ausstellung kommt. Das sind schöne Momente, denn der "White Cube"
wird dann durchlässig.
 Phoebe
Washburns Atelier in Brooklyn, New York, während
der Entwicklung von "Regulated Fool's Milk Meadow", 2007 Foto:
David Heald © 2007 Phoebe
Washburn
Wenn man sieht, wie Sie
Materialien recyceln, könnte man denken, Sie wären eine "grüne Künstlerin".
Ich
bin nicht grün sondern gierig. Und ich stille diese Gier, indem ich meine
Materialien sammle. Es ist sehr befriedigend, nur mit dem auszukommen, was
ich finde. Es ist interessanter so zu arbeiten. Ich mag es auch, dass die
Materialien ihre eigene Geschichte mitbringen.
Wie reagieren die
Leute, wenn Sie ihre Materialien zusammensammeln? Denken die, sie wären
eine Art Freak?
Wenn es um das Sammeln von Holz geht, werde ich
sehr ehrgeizig. Die Vorstellung, dass jemand anderes ein gutes,
brauchbares Stück Holz findet, das ich übersehen habe, ist unerträglich.
Ich hab auch schon anderes Material gesammelt, Pappe und Zeitungspapier,
da ging es mir genauso. Da wo ich wohne, schmeißen die Leute diese Sachen
in großen Mengen weg. Das ist für mich eine Quelle, die niemals versiegt.
Wenn ich diesen Müll über Jahre sammle und ihm wieder einen Sinn gebe, und
das Ergebnis ist eine großformatige Installation, dann wird das als
überzeugte Position zum Thema Nachhaltigkeit gelesen. Ursprünglich wurde
dieser Prozess des Sammelns aber durch meine Habsucht, meinen Geiz und
meinen Wohnort ausgelöst. Es gibt viele Leute, die sich Sachen aus dem
Sperrmüll suchen, deshalb falle ich meistens gar nicht auf. Es gibt aber
auch diese seltsamen Momente, wenn ich in einem total unpassenden
Augenblick etwas finde und mitnehme, zum Beispiel auf dem Weg zum
Abendessen mit meinem Mann. Das kann sehr komisch sein. Aber normalerweise
nimmt niemand Notiz von mir.
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Phoebe Washburn in ihrem Atelier Foto:
courtesy Wallpaper LAB ©
Wallpaper LAB
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Ihre improvisierten Installationen erinnern an Favelas.
Dort werden in einem aus der Not geborenen kreativen Prozess Werkstoffe
"umgenutzt". Das hat manchmal auch komische Aspekte. Gilt das auch für
ihre Arbeiten?
Ja, ich hoffe, dass es diese Elemente in jeder
meiner Arbeiten gibt. Dabei geht es mir nicht darum, diese Art von
Einfallsreichtum zu romantisieren oder zu ästhetisieren. Mir ist bewusst,
dass viele Menschen mit diesen Notlagen zurechtkommen müssen. Wenn mir
aber solche Dinge begegnen, dann achte ich sie und versuche, von ihnen zu
lernen. Mein Produktionsprozess ist offen. Alles entsteht ja vor Ort,
wobei natürlich Probleme auftreten. Und weil ich eben keine gelernte
Tischlerin bin, musste ich lernen, dabei meine eigenen Wege zu gehen – und
das sind oft Irrwege oder Umwege. Ich habe gelernt, auch das für meine
Arbeit zu nutzen. Manchmal fehlt mir einfach der gesunde Menschenverstand.
Daraus entstehen dann aber wirklich komische, schöne, traumartige Momente.
 Phoebe
Washburn "It Makes For My
Billionaire Status" 2005, Installationsansicht
Kantor/Feuer Gallery, Los Angeles Courtesy
Zach Feuer Gallery
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