In dieser Ausgabe:
>> Das Comeback der Skulptur
>> Isa Genzkens Skulpturen
>> Tony Cragg: Interview
>> Manfred Pernice: Porträt

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Dieses Gefühl des wirtschaftlichen Aufwinds, der die geplatzte Dot-Com-Blase endgültig weggepustet zu haben scheint, könnte auch zum ungewöhnlichen Konzept der zweiten Fine Art Fair Frankfurt beigetragen haben, die trotz ihrer Beschränkung auf nur eine Gattung die Verkaufsumsätze in etwa stabil halten konnte und sogar etwas mehr Besucher als im vergangenen Jahr begrüßen konnte. Die Schau war schon deshalb spektakulär, weil Direktor Michael Neff die klassische Unterteilung in Messekojen zugunsten eines fast musealen Parcours über Bord geworfen hatte. In der abgedunkelten Halle umkreisten die Besucher unterm Scheinwerferlicht die freistehenden Exponate und konnten die Skulptur endlich wieder als das erleben, was sie von Haus aus sein soll: ein sinnliches, haptisches und unmittelbares Kunsterlebnis.



Gerwald Rockenschaub, „Quality Street" - Fine Art Fair Frankfurt 2007
Foto: Tim Ackermann

"Normalerweise sind Messen total langweilig, aber das hier ist schon außergewöhnlich", lobte dann auch Mehdi Chouakri das Frankfurter Konzept. Der Berliner Galerist hatte sein Areal mit einem rosa Vorhang von Gerwald Rockenschaub geschmückt. Eine Art "Boudoir", so Chouakri, der sich dem allgemeinen Getöse um die Renaissance des Dreidimensionalen gar nicht so sehr anschließen mochte: "Wir haben immer schon viel Skulptur in unserem Programm gehabt und waren damit immer erfolgreich." Auch Martina Detterer, Galeristin aus Frankfurt, sieht in der "Quality Street" keine unmittelbare Reaktion auf Lybkes Rückkehr-zur-Skulptur-Postulat, sondern einfach ein Thema, das in der Luft liegt. "Skulptur wird dieses Jahr in vielen großen Ausstellungen eine Rolle spielen", sagte Detterer, die auf der Frankfurter Messe Ausstellungssockel von Via Lewandowsky zeigte, die von blauem Industrieschaum überwuchert schienen.



Tony Cragg, Caught Dreaming, 2006
Courtesy Buchmann Galerie, Berlin, © Tony Cragg




Manfred Pernice, Dose der Bahnpolizei,
Standort [ 4 ] am Hauptbahnhof, Ecke
Glockengießerwall/Steintordamm
Courtesy Galerie NEU, Berlin


Wenn also 2007 das Jahr der Skulptur wird, dann bot die von der Deutschen Bank gesponserte Fine Art Fair Frankfurt einen ersten gelungen Vorgeschmack. Sicher verführte der offene Raum der Messehalle so manchen Galeristen dazu, mit großen, plakativen Objekten um die Aufmerksamkeit der Besucher zu wetteifern. Das überdimensionierte Fahrrad aus zusammengeschweißten Lüftungsrohren von Albert Hien wird wohl genauso wenig im Wohnzimmer eines Privatsammlers Platz finden können wie Franz Wests sechs Meter hohes phallisches Gebilde mit dem Titel Finx . Doch ungeachtet der Tendenz zur Großskulptur begegnete man in Frankfurt vielen wunderschönen, berührenden Arbeiten. Carsten Höllers trapezoidem Raum mit sacht schwingenden Wänden. Ein Flughafen-Terminal gefertigt aus alten Textilien von Yin Xiuzhen. Gregor Schneiders Müllsack auf dem Betonboden mit dem Grusel-Titel Haut. Oder auch die glatten biomorphen Formen eines Tony Cragg, der auf der Messe mit zwei Arbeiten vertreten war.

Ganz klar: Die Skulptur ist im Kommen, aber eine präzise definierte, wiedererkennbare Gestalt besitzt diese Gattung nicht mehr. Die verwendeten Materialien sind mittlerweile so heterogen wie die einzelnen Umsetzungsformen in Plastik, Installation oder eben in traditioneller Bildhauerei. Für die aktuelle Ausgabe des db artmag haben wir deshalb einige Künstler ausgewählt, die sich in der dreidimensionalen Kunst besonders spannende Positionen erarbeitet haben und in zahlreichen Ausstellungen dieses "Skulpturen-Jahres" zu sehen sein werden. So war Tony Cragg nicht nur auf der Kunstmesse in Frankfurt vertreten, sondern er zeigt seine Skulpturen auch bis September bei Kunst auf der Talachse in Wuppertal. Der Berliner Künstler Manfred Pernice, der seit einigen Jahren mit seinen Dosen- und Containerobjekten Sensationserfolge feiert, stellt nicht nur aktuell im Kölner Museum Ludwig und im Skulpturenpark Köln aus, sondern wird auch im Juni auf der skulptur projekte münster mit dabei sein. Und last but not least: Isa Genzken, die in den letzten 30 Jahren beständig die Grenzen der Gattung ausgelotet hat und nicht nur in ebenfalls in Münster vertreten ist, sondern in diesem Jahr sogar den deutschen Beitrag für die Biennale von Venedig beisteuert. Man muss also nur, frei nach Ad Reinhardt, den Blick von der Wand losreißen und sich umdrehen. Dort, im Rücken des Betrachters, gibt es noch einiges zu entdecken.

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