"Die Grenzen des menschlichen Auges überwinden…" Die
Presse über "More than Meets the Eye"
Mit
der Ausstellung "More than Meets the Eye/Mehr als das Auge fassen kann"
präsentiert die Sammlung Deutsche Bank erstmalig eine umfassende Auswahl
ihrer Fotoarbeiten. Von Klassikern wie Bernd und Hilla Becher bis hin zu
jungen Vertretern der deutschen Fotoszene reicht das Spektrum der
gezeigten Arbeiten. Der Fokus liegt dabei auf Serien und Großformaten –
Gattungen, die für die deutsche Fotografie typisch und die in der Sammlung
Deutsche Bank mit bedeutenden Arbeiten vertreten sind. Nach der ersten
Station im mexikanischen MARCO Museum
in Monterrey ist die für Lateinamerika konzipierte Ausstellung jetzt im Antiguo
Colégio de San Ildefonso in Mexiko-Stadt zu sehen. In der
mexikanischen Presse fand die Foto-Schau ein sehr positives Echo.
 Blick
in die Ausstellung im MARCO Museum in Monterrey
"Was
eigentlich ist die Realität?" Mit dieser Frage beschäftigte sich Jorge
Castaneda Ochoa in der Tageszeitung El Porvenir nach seinen
Besuchen von More
than Meets the Eye in gleich zwei Artikeln. Unter dem Eindruck der
Vielfalt der im MARCO Museum gezeigten Arbeiten lobt der Autor, dass die
von Friedhelm
Hütte "nach Lateinamerika ‚einberufenen’" Werke "über 50
verschiedene, teils individuelle, teils parallel verlaufende oder ganz und
gar gegensätzliche Perspektiven" vertreten. "Allen gemeinsam jedoch ist
der Versuch, sich ein Bild von der Welt zu machen." Den besonderen Wert
der Schau sieht der Autor im "kulturellen Austausch, den diese Ausstellung
deutscher Fotografie nach 1945 anregt, die sowohl ganz junge Fotokünstler
als auch fotografische Arbeiten so etablierter Maler wie Sigmar
Polke und Gerhard
Richter umfasst." Dabei verwandele sie sich "in weit mehr als nur
einen Kulturimport." Mehr als das Auge fassen kann baue "eine
Brücke, deren Fundamente sowohl auf den Gemeinsamkeiten mit, als auch auf
den Unterschieden zur Fotografie Lateinamerikas gründen." Weitaus
philosophischer fällt sein Urteil dann in seinem zweiten Artikel aus: "Die
Lesart, die dem Besucher beim Durchschreiten der Säle des Museums nahe
gelegt wird, orientiert sich am Subjekt, das an der Konstruktion einer
Realität interessiert ist, am Ende aber dennoch zur Einsicht gelangt, dass
eine objektive Realität gar nicht existiert."
 Blick
in die Ausstellung im MARCO Museum in Monterrey
Der
Ausstellungstitel weckt bei Gregory Duke in El Norte Erinnerungen
an Alejandro Amenabars
Erfolgsfilm Abre
los Ojos/Öffne deine Augen, dessen Geschichte dem internationalen
Publikum durch das Hollywood-Remake Vanilla
Sky bekannter sein dürfte und der eine Welt beschreibt, in der
Realität und Fantasie in der Wahrnehmung des Hauptprotagonisten immer
wieder verschwimmen: "Der Blick allein genügt nicht, die Ganzheit unserer
Wahrnehmung zu erfassen: Unser Eindruck wird immer auch bestimmt durch
unsere Erinnerungen, Erfahrungen und Gefühle, ja sogar durch unseren
jeweiligen Gemütszustand, wenn wir etwas sehen."
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"Die Technik vermag das einzufangen, was dem menschlichen
Auge nie gelingen würde. Doch wenn die Netzhaut sich mit dem Verstand
verbündet, gibt es unendlich viele Möglichkeiten, die Realität zu
erfahren." So halte die Ausstellung "für den Besucher die Zeit an,
vergrößert Details und stellt die Gesamtheit scharf". Duke appelliert an
seinen Leser: "Stürze dich in diese Ausstellung und sieh mit eigenen Augen
… und deinem Verstand."
 Wim
Wenders, Streetfront in Butte, Montana, 2000, Sammlung
Deutsche Bank, © Wim Wenders, Courtesy Haunch of Venison
"Die
Schau mit Arbeiten von 53 deutschen Fotografen, die zwischen 1930 und 1977
geboren sind – darunter auch der berühmte Filmemacher Wim
Wenders – versammelt Bilder, die dank des Weitwinkelobjektivs und der
digitalen Bearbeitung unerwartete Perspektiven eröffnen, die die Grenzen
des menschlichen Auges überwinden", so Miguel Angel Ceballos in El
Universal. Ihn überzeugt vor allem die hohe Qualität der Exponate "so
einflussreicher deutscher Fotografen wie Bernd
und Hilla Becher, Thomas
Struth und Andreas
Gursky. Sie repräsentieren die Vielfalt fotografischer Standpunkte,
die von klassischer Schwarzweiß-Fotografie bis zur Collage und
Breitwandfotografie reicht.“
"Mehr als das Auge
fassen kann ist der Titel dieser Ausstellung, die mit einer Metapher
auf die vielschichtigen Bedeutungen, die die Fotografie zu erzeugen im
Stande ist, anspielt", so Samuel Mesinas im Diario Monitor. Er
zitiert Ery Camaro, den Ausstellungskoordinator von San Ildefonso: "Es
handelt sich um eine Auswahl von Arbeiten aus unterschiedlichen
Generationen mit unterschiedlichen kreativen Strategien, die auf
entscheidende Weise die Kunstwelt beeinflusst haben", und weist am Ende
seiner engagierten Besprechung darauf, dass er jedoch einen Aspekt in der
Schau vermisst hat: "Trotzdem ist auffällig, dass politische Themen
gänzlich fehlen. Erwartungen, hier einer Auswahl deutscher Fotokunst nach
1945 zu begegnen, werden nicht erfüllt."
 Annegret
Soltau, Ohne Titel (Detail), 1975, Sammlung
Deutsche Bank, © VG Bildkunst Bonn (Annegret Soltau)
Ganz
volksnah hingegen bringt Tania Gabriela Ortiz im Milenio die Ausstellung
auf den Punkt: "Künstler wie Bernd und Hilla Becher, Wolfgang
Tillmans oder Andreas Gursky sind nur einige der Namen, die diese
Ausstellung bestreiten und die dem Publikum aus Monterrey vor Augen
führen, dass Deutschland viel mehr bietet als Hamburger, Beethoven und
Fußball."
Dieser Einschätzung schließt sich Alfredo Ortiz
Santos in seinem Beitrag in der Crónica nach einem Besuch der
Ausstellung in Mexiko Stadt an, wo "Deutschland nicht nur durch die
Fußball-Weltmeisterschaft allgegenwärtig ist, sondern auch im Rahmen einer
Schau, in der Fotoarbeiten die Alltagskultur des 20. Jahrhunderts bis
heute präsentieren", und unterstreicht seine Aussage mit einem Zitat der
Direktorin von San Ildefonso, Paloma Porraz Fraser: "Die Schau ist einem
wichtigen Thema in der zeitgenössischen Kunst gewidmet. Die hier gezeigte
Fotografie aus Deutschland repräsentiert Arbeiten, die nicht nur im
eigenen Land großen Einfluss gehabt und für Aufsehen gesorgt haben. Sie
haben die Wahrnehmung und die Fotografie auch auf internationaler Ebene
entscheidend verändert. Diese Arbeiten zeigen zu dürfen, bietet für das
Museum San Ildefonso eine attraktive Gelegenheit, ein neues Publikum zu
gewinnen." Maria Morais
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