Vom Objekt zum Konzept: "Dialog Skulptur" im Museum
Kulturspeicher Würzburg
Eine
spannungsvolles Wechselspiel – die Ausstellung
"Dialog Skulptur" beleuchtet die künstlerische
Auseinandersetzung zwischen plastischen Arbeiten und Zeichnungen. Nachdem
die von Dr. Ariane Grigoteit kuratierte Schau mitrund 100 Werken aus der
Sammlung Deutsche Bank bereits im
Kunstforum Seligenstadt sowie, als Parallelausstellung, in den
Kunstvereinen Mannheim und Ludwigshafen Aufsehen erregt hat, ist sie jetzt
im Würzburger
Museum im Kulturspeicher zu sehen.

Joseph Beuys, Filzplastik-Bronzeplastik, 1964,
Sammlung Deutsche Bank, © VG Bild-Kunst, Bonn 2006
Für
Joseph Beuys war Zeichnung "die Verlängerung eines Gedankens".
Filzplastik-Bronzeplastik ist seine Papierarbeit betitelt, mit der er in
der Ausstellung "Dialog Skulptur" vertreten ist. Aus unruhigen, breiten
Pinselstrichen formt sich schemenhaft ein Konzertflügel – ähnlich dem, den
der Künstler zwei Jahre später vollständig in Filz eingehüllt hat. Seine
"Gedankenskizze" hat sich in eine dreidimensionale Skulptur verwandelt.

Karl Hartung, Mittlerer Torso, 1948,
Sammlung Deutsche Bank
Dem spannungsreichen Dialog zwischen den Medien, dem
Wechselspiel von zweidimensionaler Zeichnung und dreidimensionalen Raum
ist die Ausstellung "Dialog Skulptur" im Würzburger Museum im
Kulturspeicher gewidmet. Das Haus, das letztes Jahr mit dem
Bayrischen Museumspreis ausgezeichnet wurde, zeigt rund 100 Skulpturen und
Papierarbeiten aus der Sammlung Deutsche Bank. Das Spektrum der Arbeiten
reicht von Max
Beckmanns Bronzeplastik Adam und Eva (1936) bis zu den
hintergründigen Fallen von
Andreas Slominski, die 1998 als Auftragsarbeit für das
Deutsche Guggenheim entstanden.

Tobias Rehberger, Tout pour les Femmes, 2001
Sammlung Deutsche Bank
Im Bezug auf plastische
Arbeiten besitzt die Zeichnung längst nicht mehr nur die Funktion,
lediglich als Entwurfsskizze Ideen festzuhalten und den Sprung in die
Dreidimensionalität der Skulptur vorzubereiten. Wie kein anderes Medium
dokumentieren Werke auf Papier die Prozesse künstlerischer Produktion.
Notizen, flüchtige Ideen, erste Kompositionen, aber auch die autonome,
bildhafte Ausarbeitung sind hier festgehalten. Die Skulptur durchlief in
den sechziger Jahren eine Transformation vom Objekt zum Konzept. Seit
Minimal Art,
Konzeptkunst und dem Beuys’schen Konzept der
"Sozialen Plastik" können auch zweidimensionale Arbeiten, Texte,
Musik, Performances oder gesellschaftliche Interaktionen zur Skulptur
erklärt werden.
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Louise Nevelson,
Maquette for Sun Disc/Moon Shadow V, 1976-78
Sammlung Deutsche Bank, © VG Bild-Kunst, Bonn 2006
Mit Dieter Roth ,
Richard Artschwager oder
Inge Mahn stellt die Ausstellung künstlerische Positionen vor, die seit
den sechziger Jahren den Aktionsraum der Plastik radikal erweitern. Als
Vertreter einer jüngeren Generation sind
Stephan Balkenhol, Olafur Eliasson
oder
Neo Rauch in Würzburg präsent. Einen vertiefenden Blick wirft “Dialog
Skulptur“ auf Bildhauer, die in der Städtischen Sammlung Würzburg und in
der
Sammlung Ruppert, die sich auf
Konkrete Kunst in Europa nach 1945 konzentriert, vertreten sind – etwa
Arbeiten von Hans Arp,
Erwin Heerich oder
Ulrich Rückriem. Ein besonderes Highlight der Schau stellt
Maquette for Sun Disc/Moon Shadow V dar , eine Stahlskulptur der
bedeutenden amerikanischen Bildhauerin
Louise Nevelson, die für "Dialog Skulptur" von New York nach Deutschland
gereist ist.
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Hans Arp, Ein Nabel, aus "Merz 2.",
1923, Sammlung Deutsche
Bank, © VG Bild-Kunst, Bonn 2006
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Seit ihrer Gründung konzentriert sich die Sammlung Deutsche
Bank als weltweit größte Unternehmenssammlung vornehmlich auf Arbeiten auf
Papier, die in Bankgebäuden rund um den Globus und internationalen
Museumsaustellungen präsentiert werden. "Dialog Skulptur" ermöglicht es,
die künstlerische Auseinandersetzung mit den Themen Räumlichkeit und
Körperlichkeit zu verfolgen und bietet zugleich Einblicke in ein Stück
lebendige Sammlungsgeschichte.
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Renée Sintenis, Daphne, 1930,
Sammlung Deutsche Bank, © VG Bild-Kunst, Bonn 2006
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Dialog Skulptur 20. Mai – 20. August 2006
Museum im Kulturspeicher Würzburg Öffnungszeiten Dienstag 13 –
18 Uhr Mittwoch, Freitag – Sonntag 11-18 Uhr Donnerstag 11-19
Uhr
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