Elegische Trauerarbeit: William Kentridges
Installation "Black Box / Chambre Noire" im Salzburger Museum der Moderne
 William
Kentridge, Untitled, (drawing
for Black Box/Chambre Noire), 2005 Foto:
John Hodgkiss Deutsche Guggenheim, © William Kentridge
Eine
Arie aus der "Zauberflöte"
begleitet die brutalen Szenen einer Nashornjagd im südlichen Afrika Anfang
des 20. Jahrhunderts. Der Tod des majestätischen Tiers auf den
historischen Filmbildern kontrastiert mit dem Ideal der Aufklärung, das Mozarts
Oper beschwört. Klassische Musik und afrikanische Trauergesänge,
abgründige Bilder, animierte Kohlezeichnungen und Papierfiguren, die wie
von Geisterhand bewegt über eine Puppentheaterbühne gleiten - William
Kentrigdes "Black
Box / Chambre Noire" verbindet höchsten ästhetischen Reiz mit der
Aufarbeitung eines historischen Traumas. Thema seiner vielschichtigen
Installation, für die der Freudsche
Begriff der Trauerarbeit
eine zentrale Rolle spielt, ist das 1904 von deutschen Kolonialisten
verübte Massaker am Volk der Herero
in Deutsch-Südwest,
dem heutigen Namibia.
 William
Kentridge, Szenenbild aus Black Box/Chambre Noire, 2005 Foto:
John Hodgkiss Deutsche Guggenheim, © William Kentridge
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Zu erleben ist Kentridges elegisches Miniaturtheater ab dem
25. Juli 2006 im Salzburger Museum
der Moderne. Nach ihrer Premiere in Berlin und der Präsentation in der Art
Gallery in Johannesburg, der Heimatstadt des Künstlers, ist die
Auftragsarbeit für das Deutsche
Guggenheim jetzt in Mozarts Geburtsort zu sehen. Seine "Zauberflöte"
hat die Entstehung von Kentridges Installation stark beeinfusst. Parallel
zu seiner Arbeit an diesem Projekt hat Kentridge die Oper am Theatre
Royal de Monnaie in Brüssel inszeniert. Das Bühnenmodell als Objekt
und auch das Thema der Aufklärung finden sich in "Black Box / Chambre
Noire" wieder. Der Kolonialismus erscheint wie das düstere philosophische
Erbe dieser Epoche.
 William
Kentridge, Black Box/Chambre Noire, 2005 Photo:
John Hodgkiss Deutsche Guggenheim, © William Kentridge
Der
südafrikanische Künstler thematisiert ein verdrängtes Kapitel deutscher
Geschichte: "Black Box/ Chambre Noir" verweist auf das ungeheure
Verbrechen, das 1904 von wilhelminischen Truppen in Deutsch-Südwest
begangen wurde. Der Stamm der Herero wurde bei einem von den deutschen
Einheiten minutiös geplanten Massaker fast vollständig ausgelöscht -
einige Historiker sprechen vom ersten Genozid
des 20. Jahrhunderts. Die drei Bedeutungsebenen des Titels "Black Box/
Chambre Noire" verweisen das Theater als "Black Box", die "Chambre Noire"
- Dunkelkammer - des Fotografen und auf Flugdatenschreiber, die
Katastrophen dokumentieren. Das Motiv der "Black Box" bildet den
Hintergrund für Kentridges Konstruktion von Geschichte und Bedeutung, den
Prozess der Trauer, die Schuld und Sühne, aber auch die sich verändernden
Blickwinkel des politischen Engagements und der politischen Verantwortung.
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