No Limits, Just Edges: Jackson
Pollock im Deutsche Guggenheim
Unter dem Titel "No
Limits, Just Edges" widmet die Deutsche Guggenheim in Berlin ab dem 29.
Januar dem zeichnerischen Werk Jackson Pollocks eine große Retrospektive.
 Untitled,
1951 ©Pollock-Krasner Foundation/
VG Bild-Kunst, Bonn 2004
"Malen ist ein
Seelenzustand... Malerei ist Selbsterfahrung. Jeder gute Künstler malt,
was er ist." Dieses Zitat Jackson
Pollocks erscheint ganz und gar auf seine Rolle für die Kunst des 20.
Jahrhunderts zugeschnitten. Er gilt als bedeutendster abstrakter
Expressionist der USA, als Wegbereiter des "Action
Paintings", als Artist maudit, amerikanischer Prometheus. Nachdem
der bis dahin relativ erfolglose Künstler 1943 von Peggy
Guggenheim entdeckt und gefördert wird, dauert seine kometenhafte
Karriere nur annähernd zehn Jahre. Am 11. August 1956 fährt Pollock
betrunken gegen einen Baum und reißt dabei eine seiner Beifahrerinnen mit
in den Tod. Der Mythos, den er hinterlässt, konstituiert sich vor allem
durch seine "Drip-Paintings",
bei denen der Künstler nicht nur mit dem Pinsel arbeitete, sondern die
Farbe durch Sprühen, Schütten, Gießen und Spachteln auf die Leinwand
brachte oder einfach Farbe auf die am Boden liegende Leinwand tropfen
ließ. Wie kein anderes Werk eines zeitgenössischen Künstlers wurden
Pollocks abstrakte Gemälde in den fünfziger Jahren von den Medien als
Innbegriff einer eigenständigen amerikanischen Kunst gefeiert.
 Die
Maske, ca. 1943 ©Pollock-Krasner
Foundation/ VG Bild-Kunst, Bonn 2004
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No Limits, Just Edges: Der Titel der ersten
Retrospektive von Jackson Pollocks zeichnerischem Werk in Deutschland
spielt auf die Bildgrenzen sprengende All-over-Malerei
Pollocks an. Allerdings verrät er nur zum Teil, was den Besucher der Schau
erwartet. Zwar bilden Zeichnungen aus den Jahren von 1940 bis 1950 den
Schwerpunkt der Ausstellung und beziehen sich somit auf die Zeit, in der
Pollock mit seinen "Drip-Paintings" seinen eigenständigen Stil
entwickelte. Mit zahlreichen Blättern aus frühen Skizzenbüchern und
Studien sowohl nach Gemälden alter Meister, als auch mexikanischer
Revolutionskünstler bietet die Ausstellung jedoch zugleich einen
Überblick über die frühe Schaffensphase des Künstlers. Für Pollocks frühen
Werdegang spielt die Faszination für die indianische
Kunst der amerikanischen Ureinwohner ebenso eine wichtige Rolle, wie
auch die Beschäftigung mit der Psychoanalyse, dem europäischen Surrealismus
und dem Werk Pablo
Picassos.
1928 schreibt sich Jackson Pollock im Alter von 16
Jahren in Los Angeles an der Manual
Arts High School ein. Durch seine schwierigen Familienverhältnisse ist
sein Lebenslauf von Jugend an durch Depressionen und Alkoholkonsum
geprägt. Nach zweimaligem Schulverweis wechselt er 1930 an die New Yorker Art
Students League, wo er schließlich die Malereiklasse von Thomas
Hart Benton besucht, bei dem schon Pollocks Bruder Charles studiert
hatte. Benton, ein Vertreter des amerikanischen
Regionalismus, lehnt die europäischen
Modernismen vehement ab und orientierte sich stilistisch stattdessen
an Vorbildern wie El
Greco, Tintoretto
oder Rubens.
Ohne in einen chauvinistischen Provinzialismus zu verfallen, konzentriert
er sich dabei auf eine Malerei, die eine kraftvolle Formulierung
plastischer Werte mit den Themen der Eroberung des Westens und des Lebens
der Indianer verbindet. Der "imaginäre Westen", den Pollock in seinen
frühen Arbeiten thematisiert, ist Bentons Leitsatz von der klassischen
amerikanischen Landschaft als "ausgedehnter Horizontalität" verpflichtet.
Zwei frühe grafische Arbeiten in der Ausstellung, Harbor
and Lighthouse (um 1934-38) und Gay Head (um 1936)
dokumentieren diesen Einfluss. So zeigt Pollock Motive der kultivierten
amerikanischen Ostküste in der Manier einer von Pionieren neu entdeckten
Wildnis.
 Thomas
Hart Benton: The Ballad of the
Jealous Lover of Lone Green Valley, 1934, Courtesy
Collection of the Spencer Museum of Art
Einen
nachhaltigen Eindruck sollte auch seine Begegnung mit den Wandmalereien
der mexikanischen Künstler David
Alfaro Siqueiros’ und José
Clemente Orozcos hinterlassen. Siqueiros und Orozco zählten zu den
wichtigsten politisch engagierten Künstlern der Zeit. Siqueiros, der 1932
wegen seiner kommunistischen Überzeugung von Mexiko nach Los Angeles
übergesiedelt war, leitete 1936 einen Workshop, an dem Pollock teilnahm.
Vor allem in technischer Hinsicht beeindruckte Siqueiros den jungen
Künstler, indem er die Teilnehmer des Workshops ermutigte, industrielle
Lacke und Farben zu verwenden und Sand sowie andere Materialien zur
Belebung der Bilder einzuarbeiten.
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