A Walk in the Park: Ein Ausflug zu The Gates im New
Yorker Central Park
Auf 37
Kilometern Fußweg durchziehen die Tore der Installation "The Gates" den
Central Park wie orangefarbene Adern. Seit der Fertigstellung am 12.
Februar 2005 ist Jeanne Claudes und Christos spektakuläres Kunstereignis
der Gesprächsstoff für Kunstliebhaber, Schaulustige und Touristen. Und für
die New Yorker: Cheryl Kaplan hat sich warm angezogen und die
Meinungen vor Ort gesammelt.

Foto: ©Copyright Cheryl Kaplan 2005. All rights reserved.
Courtesy Cheryl Kaplan
Wenige Tage nach der
Eröffnung von Christo
und Jeanne Claudes
The Gates im New Yorker Central
Park, scheint die ganze Stadt dem Charme der 7.500 orangefarbenen Tore
erlegen - einem Geschenk des in Bulgarien geborenen Künstlers und seiner
Frau, die bereits den
Reichstag in Berlin und die
Pont Neuf in Paris verhüllt haben, ganz zu schweigen von einigen tausend
in Süd-Kalifornien und Japan aufgestellten
Schirmen. Am Samstag, dem 12. Februar, kommt es in dem 330 Hektar großen
Park zu einem wahren Volksauflauf. Die Szenerie erinnert an einen
Sonntagsausflug: so ziemlich jeder ist auf den Beinen, der treue
Familienhund inbegriffen. Bürgermeister
Michael Bloomberg könnte nicht erfreuter sein: die Hotels sind fast
ausgebucht und die Tourismusraten steigen. Und das ist noch nicht alles.
Am Wochenende strömen die Menschenmengen nicht nur zu The Gates
, sondern auch ins nahe gelegene Metropolitan Museum. Der Andrang ist so
groß, dass es nahezu unmöglich ist, den Eingang des Museums zu erreichen -
schon gar nicht ist daran zu denken, den Fahrstuhl zum Dachgarten zu
nehmen, um von hier aus die grandiose Sicht auf den Central Park zu
genießen.

William Kentridge und Cheryl Kaplan,
Foto: ©Copyright Cheryl Kaplan 2005. All rights reserved.
Courtesy Cheryl Kaplan
Am Samstag mache auch
ich zusammen mit dem Künstler
William Kentridge und seiner Frau Anne meinen ersten Spaziergang durch
The Gates. Sein Kommentar: "Die Tore erinnern mich an Wahlkabinen."
Darauf sie: "Es sieht mir eher nach einem Waschtag in Tibet aus." Am
Dienstagabend ist die Menge auf vereinzelte Nachzügler oder sich zwischen
den Vorhängen zärtlich umarmende Paare geschrumpft. Christos Projekt, das
1981 angesichts einer vehementen Opposition gegen die vermeintliche
Verletzung der größten und geschichtsträchtigsten Grünfläche der Stadt
zunächst abgelehnt wurde, hat endlich seine Akzeptanz beim Publikum
gefunden. Für die Finanzierung indes lag die ganze Verantwortung bei
Christo und Jeanne-Claude. Die Kosten für die Installation: über 20
Millionen Dollar. Die Erlöse aus dem gesamten Merchandising und dem
Verkauf von Andenken, darunter zahlreiche Auflagen signierter Poster von
The Gates, werden der non-profit Einrichtung
Nurture New York's Nature (NNYN) und für den Naturschutz des Central Parks
gespendet. Derartige Einnahmen ermöglichen es der NNYN, an Schulen und
Universitäten regelmäßig Kurse zu veranstalten, die gezielt die Erhaltung
und Förderung von urbaner Natur ins öffentliche Bewusstsein rückt.
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Foto: ©Copyright Cheryl Kaplan 2005. All
rights reserved. Courtesy Cheryl
Kaplan
Während notorische Nörgler schnell
den Vorwurf parat haben, dass das Geld doch besser für die Speisung der
Armen ausgegeben wäre, scheint die Mehrheit der New Yorker für den reinen
Unterhaltungswert, den The Gates bietet, ganz dankbar zu sein.
Einer der Polizisten, die auf ihren Carts den Park bewachen, sagt: "Seit
The Gates gibt es viel weniger Obdachlose im Park." Ich will herausfinden,
wie sich die Reaktionen der Besucher über die kurze Zeitspanne von ein
paar Tagen verändert. Hier einige Kommentare:
"Die Farbe
erinnert an eine Baustelle, aber es gelingt ihr das Einheitsgrau des
Winters zu durchbrechen."

"The Gates" zieht tausende Besucher in den Central Park,
Foto: ©Copyright Cheryl Kaplan 2005. All rights reserved.
Courtesy Cheryl Kaplan
"Anfangs sah es noch
ziemlich hässlich aus. Jetzt sehen die Pfosten nachts so aus, als würden
sie leuchten."
"Ich hatte bereits zuvor eine klare Vorstellung
vom Projekt und wünschte, wir könnten länger bleiben. Es handelt sich wohl
eher um ein gesellschaftliches Statement als um ein Kunststatement. Das
Projekt bereitet den Leuten Spaß und gute Laune, aber man braucht nicht
7.500 mal die selbe Sache zu zeigen, um etwas über Kunst auszusagen."
"Für mich sah es erst mal wie ein gigantisches Krocket-Spiel aus."

Foto: ©Copyright Cheryl Kaplan 2005. All rights reserved.
Courtesy Cheryl Kaplan
"Der Park war bis
abends um sechs völlig überfüllt. Gestern regnete es in Strömen und keiner
ging aus dem Haus."
"Ich habe die anderen Arbeiten von Christo
im Fernsehen gesehen. Ich wollte einfach mal sehen, worum dieser Aufstand
gemacht wird."
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