In dieser Ausgabe:
>> Artcouture
>> Comics für Louis Vuitton
>> Issey Miyakes Laufstegkunst
>> Die Muse der Mode: Claudia Skoda
>> Der Labelpirat Olaf Nicolai

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Takashi Murakami: Smooth Nightmare Drawing, 2000
Sammlung Deutsche Bank

Dazu kamen Yoshito Nara und Groovisions, die angesagtesten Grafikdesigner Japans. Wenn man alles beiseite lässt, was Murakami in dieser Hinsicht getan hat, dann bleibt als wichtiger Ansatz der Gesamtzusammenhang aktueller japanischer Kultur innerhalb der Tradition. Man kann zu diesem Punkt über sein Werk gelangen, wenn man etwa auf dessen Verwurzelung in der japanischen Malerei eingeht. Oder auf die Situation im Atelier, das ist nicht ein System a la Warhols Factory, sondern direkt abgeleitet vom Ka-No-System, das seit 1.500 Jahren besteht und bei dem alle Künstler auf dem selben Level beteiligt sind. Kano Sansetsu lebte während der Edo-Ära, die von 1615 bis 1868 andauerte. Er war der Meister, aber alle arbeiteten gemeinsam mit ihm. Wenn Sie ein Ka-No-Gemälde erwerben, kann es sich um eine Arbeit von Ka-Nos Sohn oder aber auch von irgendeiner Gruppe seiner Mitarbeiter handeln.

CK : Ist die Zusammenarbeit mit Naoki Takizawa für Miyake und mit Marc Jacobs bei Vuitton eine Erweiterung dieser Arbeitsprinzipien von Ka-No gewesen, die in Murakamis Atelier stattfand?

TB: Es gibt einen japanischen Ausdruck, der dem englischen catch-ball (Völkerball) entspricht. Marc Jacobs hat Murakami den Ball zugeworfen, der den Ball wieder an Jacobs zurückgegeben hat. Das gleiche Spiel findet im Atelier statt.

CK: Als Fortführung des Cadavre exquis, jener spielerischen Methode des Surrealismus, bei der mehrere Künstler an einem Bild arbeiten?

TB: Ja, das kann man durchaus so sagen.

CK: Wie hat sich die Wahrnehmung für Murakamis Arbeit mit seinen letzten Mode-Projekten verändert?

TB: Murakami hat sich erst neuerdings, also in der Kombination aus Rekordergebnissen bei Auktionen, dazu Louis Vuitton, das Rockefeller Center und das Projekt für das Mori Museum in Tokios Roppongi-Hill-Bezirk, in die verschiedenen Bereiche der japanischen Kultur hochgeschraubt. Das Mori Art Center zum Beispiel ist eine ausgelagerte Kooperation mit dem MoMA, dem mit David Elliot erstmals in Japan ein westlicher Museumsdirektor vorsteht. Murakami arbeitet immer noch an der Gesamterscheinung für das Haus. Wo man auch hintritt, sind die Leuchtkästen, Objekte und Figuren von den Kaikai Kiki Ateliers entwickelt worden. Im Herbst wird Murakami nun auch Direktor für das Tokyo International Film Festival sein. Er steht dem Filmemacher, Schauspieler und Fernsehkomiker Takeshi Kitano ziemlich nahe, die beiden haben schon zusammen ausgestellt. Mit all diesen Projekten ist die öffentliche Aufmerksamkeit für Murakami gestiegen und das Mori Art Center hat ihm auch in seiner Heimat enormen Auftrieb verliehen.

CK: Warum ist Hollywood als nächster Schritt so wichtig?

TB: Wegen des Publikums. Wir arbeiten derzeit an einem Animationsfilm, da sind Sechsjährige die Zielgruppe. Als Murakami sechs Jahre alt war, haben ihn seine Eltern mit in eine Ausstellung von Goyas Werken genommen. Das hat einen gewaltigen Eindruck auf ihn gemacht. Sein Interesse an einem jüngeren Publikum hängt damit zusammen, dass er diese Zielgruppe besser formen kann - in einem guten Sinne und nicht bloß auf die Disney-Tour. Es wird ein bedeutender Film werden, nicht bloß eine Independent-Produktion.


All seine Einflüsse und all seine Kindheitsträume sind durch Animationsfilme gekommen. Hayao Miyazaki, der König der japanischen Animation, der auch bei Spirited Away die Regie führte - das ist Murakamis wahrer Kunstheld.

CK: Auch Goya lässt sich mit Animation in Verbindung bringen. Manet hat Goya bei seinem Bild Die Erschießung Kaiser Maximilians so verstanden, und auch die Brüder Dinos und Jake Chapman haben sich bei ihrer Goya-Serie an diesem Aspekt orientiert. Auch hierin scheint Murakami die Geschichte zu umarmen und zugleich abzuweisen.

TB: Er versucht, die Geschichte zu vergessen, weil er nach neuen Wegen sucht. Trotzdem hat er die Geschichte in seinem Blut und in seinem Unterbewusstsein. Er ist auf der Suche nach einem neuen Dreh.




CK : Was hat Murakami von der Mode gelernt?

TB: Wie das richtige Geschäft läuft, und dass es himmelweite Unterschiede zwischen der Kunstwelt, deren Business und dem Modegeschäft gibt. Die Summen, die mit Mode umgesetzt werden, und die Menge an Leuten, die von Mode besessen sind, das war superinteressant für Murakami. Auch die Frage, warum Luxusmode funktioniert, diese ganze Vorstellung davon, wie Begierden erzeugt werden.

CK: Murakami bringt Distanz und Verführung zusammen, indem er sie in Schönheit und Neuheit kleidet. Da gibt es Parallelen zur Mode. War es richtig, dass sich Murakami von der Mode hat einbeziehen lassen?

TB: Auf jeden Fall. Es hat ihm bei seiner Vorstellung von "Superflat" geholfen - nicht nur konzeptuell, sondern in der Praxis. Davor hat alles von ihm auf dem Level von Museen oder der reinen Kunstwelt existiert. Die Zusammenarbeit mit Louis Vuitton hat ihn mitten ins wirkliche Leben geworfen. Es hätte für ihn gar nichts anderes sein können als die Mode. Die Geschwindigkeit, mit der Mode entworfen, ausgearbeitet und hergestellt werden kann, ist vom Film ganz verschieden. Die Mode-Connection war ein Kinderspiel, für solche Dinge gibt es kein Drehbuch.


Takashi Murakami: Smooth Nightmare Drawing, 2000
Sammlung Deutsche Bank






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